Hörschädigung – was ist das?

Bei einer Hörschädigung ist das Hören beeinträchtigt – von einer geringfügigen Minderung des Hörvermögens bis zu seinem vollständigen Ausfall. Manchmal kommen weitere Beeinträchtigungen hinzu (Tinnitus = Ohrgeräusch, Gleichgewichtsstörungen, Sehbehinderung). Weil durch die Beeinträchtigung des Hörens auch das Sprachverstehen behindert ist, geht eine Hörschädigung mit einer - unsichtbaren – Kommunikationsbehinderung einher.

Die Art der Hörschädigung hängt ab vom Zeitpunkt und vom Ausmaß des Hörverlustes. Man unterschiedet zwischen:

Gehörlosigkeit

  • der Hörverlust tritt vor dem Spracherwerb ein, also vor dem 3. Lebensjahr 
  • der Hörverlust ist so groß, dass auch mit technischen Hilfsmitteln das Verstehen von Sprache nicht möglich ist 
  • der Erwerb von Laut- und Schriftsprache ist sehr erschwert; da Gehörlose ihre Aussprache nicht kontrollieren können, sind sie oft nur schwer zu verstehen 
  • Gehörlose haben ihre eigene Sprache – in Deutschland ist es die Deutsche Gebärdensprache (DGS) – und ihre eigene Kultur. Praktisch leben sie als sprachliche Minderheit. 

Ertaubung

  • der Hörverlust tritt nach Abschluss des Spracherwerbs ein (3. – 4. Lebensjahr) 
  • der Hörverlust ist so groß, dass auch mit technischen Hilfsmitteln das Verstehen von Sprache nicht mehr möglich ist 
  • die Betroffenen beherrschen die Laut- und Schriftsprache, sind beim Verstehen der Lautsprache aber auf das Absehen vom Mund angewiesen. Manche benützen lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) 

Schwerhörigkeit

  • kein vollständiger Hörverlust, das Sprachverstehen ist zumindest mit Hilfe von Hörgeräten noch möglich, u.U. mit Zuhilfenahme weiterer unterstützender Maßnahmen ( Absehen vom Mund, Gebärden); je nach Ursache der Hörschädigung wird Sprache aber nicht nur leiser, sondern auch verzerrt oder nur in Teilstücken wahrgenommen (Bsp.: Von dem Satz „Frage und Antwort sind die Pfeiler der Kommunikation“ hört man: „rage un an wor in die eiler der ommuni a ion“ – den Rest muss man raten…) 
  • ein/e Schwerhörige/r kann auch mit guter Hörgeräteversorgung nicht ‚normal’ hören (das ist anders als bei der Brille!), besonders schwierig ist das Sprachverstehen in Gruppen, in unstrukturierten Gesprächssituationen und bei Störgeräuschen 
  • Schwerhörigkeit geht nicht selten mit Geräusch(über)empfindlichkeit einher 

CI-TrägerInnen

  • Das Cochlea-Implantat (CI) ist eine ins Innenohr implantierte elektronische Hörhilfe. Ein CI ermöglicht kein normales Hören, die Hörbedingungen sind wie bei HörgeräteträgerInnen. CI-TrägerInnen sind ohne CI gehörlos bzw. hochgradig schwerhörig 

Zentrale Hörstörungen

  • akustische Signale werden wahrgenommen, aber die Bedeutung dieser Signale wird aufgrund einer Funktionsstörung im Gehirn nicht verstanden 
  • Hörsehbehinderung/Taubblindheit 
  • Hier geht die Beeinträchtigung bzw. der Verlust des Gehörsinns einher mit einer Beeinträchtigung bzw. dem Verlust des Sehvermögens 
Eine Hörschädigung kann unterschiedliche Ursachen haben. Sie kann entstehen

vor der Geburt:

  • durch Vererbung, z.B. Usher-Syndrom 
  • durch eine Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft, z.B. Röteln, Mumps 
  • durch Alkohol oder bestimmte Medikamente während der Schwangerschaft 

während der Geburt:

  • durch Sauerstoffmangel 
  • durch Blutgruppenunverträglichkeit 

im Lauf des Lebens:

  • durch verschiedene körperliche Krankheiten, z.B. Hirnhautentzündung. Scharlach, Masern, Syphilis, Grippe, Diabetes mellitus (= "Zucker") 
  • durch Entzündung des Hörnervs oder chronische Mittelohrentzündung 
  • durch Schädigung des Hörnervs durch mechanische oder akustische Reize (Knalltrauma, dauerhaft hohe Lärmbelastung, Unfälle)
  • durch Schädigung des Hörnervs durch toxische (= giftige) Stoffe (z.B. Alkohol, Nikotin, Medikamente) 

im Alter:

  • durch die Alterung des Gewebes 
  • durch dauerhaft hohe Lärmbelastungen im Laufe des Lebens