Die Kommunikation der Gehörlosen findet über das Sehen statt (Gebärden, Mundbild, Mimik, Gestik, Körpersprache). Für Ertaubte und Schwerhörige ist der Sehsinn die wichtigste Hilfe bei der Kommunikation (Absehen vom Mund, Gebärden, schriftlich). Taubblinde kommunizieren über das Fühlen (Lormen = in die Hand buchstabieren, taktiles Gebärden = Gebärden werden erfühlt,).

Die Kommunikation zwischen Hörgeschädigten und Hörenden ist beeinträchtigt und es kommt zu vielen Missverständnissen. Das hat verschiedene Gründe:

  • Gebärdensprache und Deutsch sind zwei unterschiedliche Sprachen. 
  • Das Absehen vom Mund ist schwierig: Im Deutschen gibt es ca. 40 verschiedene Sprachlaute, aber nur 11 eindeutig zu unterscheidende Absehgestalten, viele Worte sind also optisch nicht zu unterscheiden (Bsp.: Mutter – Butter), d.h. nur ca. 30 % der Lautsprache kann tatsächlich abgesehen werden, der Rest muss kombiniert werden; so erfordert das Absehen eine hohe Konzentration. 
  • Den Hörgeschädigten entgeht alles, was über den Klang der Stimme mitvermittelt wird (z.B. der emotionale Gehalt einer Botschaft, Ironie). 
  • Da Gehörlose keine Möglichkeit haben, ihr eigenes Sprechen zu kontrollieren, kann es zu unangepasster Lautstärke, mangelhafter Aussprache und fehlerhafter Grammatik kommen. 

Die Kommunikation zwischen Hörgeschädigten und Hörenden wird um einiges erleichtert, wenn man einige Regeln beachtet (s. unten ‚Tipps’). Wenn beide Seiten außerdem etwas guten Willen und Geduld mitbringen, lassen sich Kommunikationsprobleme in der Regel überwinden.

 

 

Beginnen Sie erst, wenn der andere Sie anschaut und halten Sie beim Sprechen BLICKKONTAKT.

Achten Sie darauf, dass Ihr Gesicht gut BELEUCHTET ist (Gegenlicht vermeiden).

Ihr SPRECHTEMPO sollte nicht zu schnell sein.

Legen Sie immer wieder KLEINE PAUSEN ein, führen Sie keine zu langen Gespräche.

Sprechen Sie in normaler LAUTSTÄRKE. Anschreien hilft nicht.

Verwenden Sie KURZE, aber vollständige SÄTZE.

Vermeiden Sie FREMDWÖRTER und DIALEKT.

Geben Sie das jeweilige GESPRÄCHSTHEMA am Anfang bekannt.

Sprechen Sie mit deutlichem MUNDBILD (= Mundbewegungen), aber nicht übertrieben; achten Sie darauf, dass man den Mund immer gut sehen kann (keine Hand oder Mikrofon vor dem Mund; keine Zigarette oder Kaugummi im Mund; auch ein Bart kann den Mund verdecken).

Unterstützen Sie das, was Sie sagen durch natürliche GESTEN, MIMIK, und KÖRPERSPRACHE – das hilft verstehen und ersetzt das, was in der Lautsprache mit der Sprachmelodie vermittelt wird.

Suchen Sie einen RUHIGEN GESPRÄCHSORT auf (ohne zu viele Störgeräusche).

VERGEWISSERN Sie sich immer wieder, ob alles richtig verstanden wurde, fragen Sie nach, was verstanden wurde, scheuen Sie keine Wiederholungen, klären Sie Missverständnisse offen und freundlich.

SCHREIBEN Sie wichtige Informationen auf (Termine, Namen, Adressen).

Lernen Sie ein paar Gebärden und das FINGERALPHABET, wenn Sie häufiger mit Hörgeschädigten zu tun haben.

Nehmen Sie die Angebote der FACHDIENSTE für Hörgeschädigte und GEBÄRDENSPRACHDOLMETSCHER/INNEN in Anspruch.